Heute lassen wir San Pedro de Atacama hinter uns und machen uns, nachdem wir in Calama eingekauft und aufgetankt haben, weiter Richtung
Süden immer auf der Panamericana. Die Panamericana ist hier noch keine Autobahn, sondern eine ganz normale Landstraße. Da wir mal wieder
duschen müssen, haben wir uns dazu entschlossen in einem Industriegebiet bei Antofagasta auf einem Parkplatz, der direkt neben einer
COPEC-Tankstelle ist, zu übernachten. Bei den meisten COPEC, aber auch anderen Tankstellen an der Panamericana, kann man für 700 Pesos (ist
ungefähr 1 EUR) warm duschen. Leider ist die Umgebung mehr als bescheiden und wir haben diesen Übernachtungsplatz als unseren bisherigen ‘Worst Case’ abgespeichert. Hier ein Bild vom idyllischen
Plätzchen.... Dafür duschen wir am nächsten Morgen schön warm und machen uns
anschließend weiter auf den Weg nach Süden. Dabei passieren wir ‘La Mano’ die Hand, eine Skulptur aus Beton mitten in der Wüste. Da es sonst
nichts zu Sehen und Fotografieren gibt, machen wir halt auch ein Bild, natürlich aber mit Landy
Unser heutiges Ziel ist der direkt am Meer gelegene Nationalpark Pan de
Azucar. Der Reiseführer sagt: ‘weiße Sandstrände, geschützte Höhlen, steinige Landspitzen und kakteenbedeckte Hügel’. Außerdem soll der durch
das kalte Wasser des Humboldtstromes regelmäßig aufkommende Nebel, der ‘Camanchaca’, die Bergrücken so mit Nebel einhüllen, daß sich
Feuchtigkeit niederschlägt und sogar Flechten an den Kakteen wachsen läßt. Na, das hört sich ja gut an, denken wir, und fahren hin. Schon bei der Anfahrt sehen wir, daß wir wahrscheinlich enttäuscht sein
werden. Wir sehen nur ganz vereinzelte Minikakteen und auf dem Campingplatz kostet die Toilettenbenutzung extra, obwohl wir für zwei
Personen bezahlt haben. Wir haben gelesen, daß es einen Aussichtspunkt geben soll, von wo man einen schönen Blick auf das Meer hat. Wir fahren
also hin und sehen erstmal eine Schranke. Also, zurück zum Informationszentrum. Dort erfahren wir, daß der ‘Mirador’ nur von 9.00 bis
12.00 und dann wieder von 16.00 bis 19.00 Uhr offen ist. Was für Öffnungszeiten! Außerdem muß man mit einem Ranger 3 km hinauf und dann wieder 3 km hinunter wandern und das ganze kostet 5 EUR pro
Person. So haben wir uns das aber nicht vorgestellt: wir dachten, wir fahren auf den Aussichtspunkt bei Sonnenaufgang, bleiben den Tag über und fahren
bei Sonnenuntergang wieder runter. Nichts da, wir können nicht mal über
Mittag bleiben, denn der Mirador ist von 12.00 bis 16.00 Uhr ja zu. Da uns das Ganze so nichts bringt, weil wir nie gutes Foto-
bzw. Filmlicht haben werden, haken wir das Thema ‘Pan de Azucar’ ab. Das ‘tolle’ Erlebnis wird noch durch eine schlaflose Nacht
abgerundet, da neben uns viele Junge Leute zelten, die die ganze aber wirklich ganze Nacht Party machen. So haben wir also nur
ein Bild vom Parque Nacional Pan de Azucar - und das ist vom Landy am Strand-Campingplatz.
Nach einer hauptsächlich durchwachten Nacht, fahren wir am nächsten Tag müde weiter auf der Panamericana Richtung Süden.
Kurz bevor wir Charanal erreichen, fällt uns wieder einmal der viele Müll auf, der überall in der Wüste zerstreut ist. Kein Wunder,
denn entlang der ganzen bisherigen Fahrt auf der Panamericana haben wir so gut wie keine Mülleimer und überhaupt keine
Toiletten gesehen. Deshalb sind auch alle Parkplätze so eingesaut: irgendwo müssen die Leute ja ihr ‘Geschäft’ hinmachen...
DIESE ‘Müllablagerungen’ sehen aber mehr wie groß angelegte Entrümpelungen aus.
Kurz darauf sehen wir eine Reklametafel für ein Hotel mit vielen heimatlosen Hunden darunter. Entsprechend dem Zustand des
Schildes muß in diesem Hotel der Hund begraben sein.... ich will da auf jeden Fall nicht einchecken. Gott sei Dank haben wir den Landy.
Bei Charanal kommt die Panameriana direkt an’s Meer heran und wir sehen zum allerersten Mal Blumen in der Atacama.
Offensichtlich ist es hier etwas feuchter und sogar um diese Jahreszeit blühen noch einige Blumen und auch Kakteen sind zu
finden. Uns geht sofort das Herz auf und müssen natürlich einen Fotostopp einlegen. Wir fahren noch einige hundert Kilometer und verbringen diese Nacht irgendwo in der Wüste abseits der Panamericana. Hier oben
ist noch relativ wenig Verkehr und es ist kein Problem ein ruhiges Plätzchen zu finden. Nach einer ruhigen Nacht geht’s am
nächsten Tag wieder weiter Richtung Süden, immernoch in Meeresnähe. Immer wieder sehen wir dicht mit Kakteen bewachsene
Hänge, die zum Teil sogar blühen. Wir sind begeistert, nach soviel vegetationsloser Wüste wieder Pflanzen zu sehen. Leider sind
die Kakteen wohl in der letzten Blühphase, denn nur noch vereinzelte Blüten sind zu finden... Aber trotzdem, als Kakteenfreund bin ich natürlich begeistert!
Nach einem Fotostopp geht’s immer weiter entlang der Panamericana nach Süden. Bei La Serena wird sie vierspurig und zur
mautpflichtigen Autobahn. Bald merken wir, daß einfaches Übernachten abseits der Straße nicht mehr möglich ist, da es nur
wenige Abfahrten gibt. Sieht so aus, als ob wir auf einer Raststätte übernachten müssen... Wir suchen uns einen Platz in der
Nähe der Lastwagen ohne ihnen aber im Weg rumzustehen (nicht daß einer bei Nacht unseren kleinen Landy übersieht). Nach
einer ganz guten Nacht geht es wieder Richtung Süden und bald erreichen wir unser heutiges Ziel: den Parque Nacional Fray
Jorge. Das Besondere an diesem Park ist, daß er inmitten der Wüste, eine kleine Insel erhaltenen Valdivianischen Nebelwald, wie
er sonst nur viel weiter südlich zu finden ist, schützt. Wie kann es sein, daß mitten in der Wüste ein flechtenbehangener Wald
existieren kann? Regelmäßiger Nebel ist die Antwort. Wie im Pan de Azucar befeuchtet auch hier der Camanchaca die Wüste
und ermöglicht ein erstaunliches Pflanzenwachstum. Wegen dieser Einzigartigkeit ist der Parque Nacional Fray Jorge auch ein
Unesco Welt-Biosphärenreservat und nur begrenzt für die Öffentlichkeit zugänglich. Hauptsächlich treiben sich dort Biologen und
Forscher herum. Schon bei der Anfahrt sehen wir mehr Pflanzen und viele Kakteen, die sogar mit Flechten behangen sind. Das Herzstück des Parks ist ein ungefähr 1 km langer Rundweg, der durch den erstaunlichen Wald führt. Eigentlich ist es
hauptsächlich Buschlandschaft, aber man muß bedenken, daß man sich in der Wüste befindet! Hier ein paar Eindrücke vom
schönsten Stück des Waldes. Leider sind in fast alle Bäume irgendwelchen Namen und Initialen eingeritzt, was uns natürlich
wieder maßlos ärgert. Warum muß eigentlich immer alles zerstört oder verschandelt werden? Da an diesem Tag leider kein Nebel zu sehen ist, beschließen wir am nächsten Tag gleich früh morgens wiederzukommen.
Normalerweise müßte dann alles in Nebel gehüllt sein und wir können uns vorschwebende Aufnahmen von mit Wassertropfen
behangenen Flechten machen. Leider gibt es den Campingplatz im Park nicht mehr, doch der Ranger meint, vor der Schranke sei
es o.k. zu übernachten. Wir grillen uns ein leckeres Abendessen und sind gerade fertig mit Abwaschen, als er wieder
vorbeikommt und meint, wir könnten im Park auf dem Picknickplatz (ist der frühere Campingplatz) übernachten. Wir denken, er
murmelte was von ‘das sei sicherer’, können uns aber nicht sicher sein, da wir nahezu kein Spanisch verstehen. Wir freuen uns
auf jeden Fall, denn innen haben wir eine Toilette und wir brauchen nicht nochmals Eintritt zu bezahlen. Leider läßt sich jedoch
auch am nächsten Morgen kein Nebel blicken. Wieder strahlt die Sonne vom stahlblauen Himmel und wir sind enttäuscht. Der
Nebel soll doch regelmäßig nahezu jeden Tag kommen? Warum nicht gestern und heute? Grrrrr. Dafür sehen wir auf der Anfahrt
zum Rundweg eine Eule, die ziemlich locker ist und sich schön filmen und fotografieren läßt.Später am Morgen kommt dann ein bißchen Nebel, aber der verzieht sich so schnell wieder wie er gekommen ist. Schade...
Etwas enttäuscht verlassen wir den Park, denn das wofür wir eigentlich hergkommen sind, haben wir leider nicht gesehen. Dafür andere Dinge, vor allem auch die Eule.
Die nächsten 2 Tage verbringen wir ‘auf der Straße’, zahlen fleißig Maut (es läppert sich) und übernachten auf Rastplätzen.
Obwohl es meistens ziemlich zugeht, schlafen wir eigentlich ganz gut. Entlang der Panamericana gibt es immer wieder
Rastplätze, die vom Konzessionär unterhalten werden. Diese sind kostenlos und man kann ‘umsonst’ (schließlich hat man ja
Maut bezahlt) duschen und auch die Toilette benutzen. Rastplätze bei Tankstellen dagegen sind NIE kostenlos. Man muß sowohl
für die Benutzung des ‘Örtchens’ als auch der Duschen bezahlen. Manchmal haben die Tankstellen kostenloses WIFI, aber leider
nicht immer. Wir passieren Santiago und kaufen in einem großen Einkaufszentrum ein. Da es Mittag ist, bringe ich ein
Brathähnchen mit, das wir etwas zögerlich essen. Irgendwie ist es wahnsinnig fettig! Also nicht ‘fettig’ wie in fettig gebraten,
sondern das Hähnchenfleisch selbst ist fettig, wie wenn das Huhn überfüttert worden wäre. Sowas haben wir noch nie gesehen.
Richtige Fettklumpen befinden sich an manchen Stellen und uns vergeht der Appettit ziemlich. So werfen wir den Rest in die
Tonne und machen uns wieter auf den Weg, als wir ca. 10 Minuten später einen -Ihr glaubt es nicht- MCDONALDS am
Straßenrand sehen. Wir können es nicht glauben! Da sehen wir endlich einen MAC und wir haben keinen Hunger mehr! Was für eine Katastrophe :-) Die Fahrt auf der Panamericana dauert noch zwei weitere Tage, bis wir bei
Los Angeles (nicht DAS Los Angeles) abfahren um den Salto del Laja zu besuchen. Eigentlich wollten wir hier irgendwo übernachten, doch das
überlegen wir uns schnell anders. Als wir schon in die Nähe des Wasserfalls gelangen, sehen wir riesige Menschenmassen am Eingang und
auf den gesamten kurzen Weg zum Wasserfall verteilt. Entlang des Weges befindet sich ein Verkaufsstand am anderen und das ganze macht eher den
Eindruck eines Volksfestes als einer Natursehenswürdigkeit. Was ist denn los? Wir können uns wirklich nicht vorstellen, daß das hier jeden Tag so
zugeht. Sicher: es sind noch Schulferien in Chile, aber sowas? Wahnsinn. Da wir nun schon einmal hier sind, mache ich mich trotzdem auf den Weg
und bin ziemlich überrascht, als das ganze keinen Eintritt kostet. Der Wasserfall selbst ist wunderschön, auch wenn es mich einige Nerven kostet,
bis endlich mal niemand mehr im Wasser vor meiner Kamera steht.
Gleich anschließend fahren wir wieder zurück auf die Panamericana und übernachten mal wieder auf einem Rastplatz. Endlich
haben wir das Seengebiet erreicht und es ist überall schön grün. Leider ändert sich auch das Wetter, denn es ist wechselhaft und
regnet auch ab und zu. Klar, woher soll das Grüne kommen, wenn nicht vom Regen? An diesem Tag fahren wir zu unserem
ersten Vulkan: dem Villarica. Bei Temuco geht es ab Richtung Villarica und Pucon, zwei Städtchen, die beide am Lago Villarica
gelegen sind. Leider ist das Wetter so schlecht, daß wir den Vulkan und die umliegenden Berge nicht sehen können. Da bedecktes Wetter super für Wald- und Wasserfallaufnahmen ist, machen
wir uns auf den Weg zu diversen Wasserfällen, die außerhalb des Nationalparkes liegen. Wir staunen nicht schlecht, als sie alle Eintritt kosten
(ca. 2 EUR/Pers.) und entschließen uns, uns den Salto de Palguin etwas näher anzuschauen. Schon die Anfahrt ist abenteuerlich: ohne Allrad keine
Chance. Die Erdstraße ist vom Regen total durchgeweicht und dann kommt auch noch eine starke Steigung mit Kurve! Steffen probiert’s erstmal ohne
Differentialsperre und muß schnell erkennen, daß das so nichts wird. Zu allem Unglück spinnt im Moment mal wieder die Elektrik im Landy und die
elektronische Sperre (ASR) funktioniert nicht. Also nochmals zurückrollen lassen und mit (manueller) Mittendifferentialsperre probieren. Diesmal ist es
kein großes Problem und wir sind ‘drin’. Der Fußweg ist genauso glitschig und mich ‘legt’ es beim Abstieg erstmal zweimal auf meinen Allerwertesten.
Klasse, jetzt sind auch noch die Klamotten dreckig. Am Wasserfall angekommen, legt sich der Ärger aber schnell. Der
Wasserfall ist superschön in einem Felskessel gelegen, umgeben von grünem, üppigem Valdivianischem Regenwald.
Wir suchen uns ein Übernachtungsplätzchen gleich in der Nähe der Fälle mitten im Wald und Steffen macht sich (mal wieder) auf
Fehlersuche im Cockpit des Landys. Das Problem mit der Elektrik hatten wir schon einmal zu Beginn unserer Reise in
Neuseeland. Da wir das Problem nicht finden konnten, griff Steffen zur einfachen Reparaturmethode: Abkleben der vielen Lichtlein,
die eigentlich nicht leuchten sollten. Immer wieder versuchte er sein Glück und warf einen Blick ins Kabelgewirr: Sicherungen
wurden getauscht, Kabel besser isoliert, manchmal auch neu verlegt. Das Problem blieb aber und.... irgenwann war es einfach
weg. Wir hatten das Problem in USA eigentlich nicht mehr... und nun spielt plötzlich wieder alles verrückt: Wenn die Lüftung an
ist, geht der Scheibenwischer fast nicht mehr, nur sehr sehr langsam. Beim Einschalten der Zündung verstellen sich die
Scheinwerfer (Höhenverstellung) von selbst. Wenn der Lichtschalter betätigt wird, geht das Radio an! Die ABS und ASR-Leuchte
leuchten kontinuierlich und natürlich sind die beiden Systeme außer Funktion.
Da es regnet, benötigen wir die Scheibenwischer unbedingt und wir wollen verhindern, daß uns der Wischermotor noch
durchbrennt. Es scheint, als ob er einfach zu wenig Saft hat. Daß es ein Masseproblem ist, hat Steffen schon von Anfang an
vermutet, doch hat er den defekten Massepunkt nicht gefunden. Da uns schon in Neuseeland klar war, daß dieser dubiose Fehler
auch von einem ‘Fachmann’ in einer Werkstatt niemals gefunden würde, haben wir diese Option nie ins Auge gefasst. Das hätte
nur eine Menge Geld gekostet und keinen Erfolg gebracht. Warum auch? Steffen ist doch selbst Fachmann und findet heute
endlich den Fehler. Eine etwas angekokelte, fehlerhafte Steckverbindung im Massesammler ist die Ursache! Dieser
Massesammler hatte sich bisher sehr gut hinter dem Armaturenbrett unter dem Seilzug zur Lüftung versteckt! Deshalb passierten
auch bei Betätigung des Gebläsehebels viele sehr sehr wundersame Dinge. Steffen nimmt also den Massesammler auseinander,
reinigt die Kontakte, vergrößert die Vorspannung der Steckverbinder und setzt ihn wieder zusammen...und Voila! alles funktioniert
wieder wie einst im Mai! Klasse! Endlich wischt der Wischer wieder mit Enthusiasmus, das Radio geht nur an wenn gewünscht
und Lüftung und Scheinwerfer funktionieren wie von Landrover vorgesehen. Und vor allem: ABS und ASR leuchtet nur, wenn im Einsatz.
Nachdem dieses Problem gelöst ist, ist uns deutlich wohler und weiterer Regen ist kein Problem. Doch als wir am nächsten
Morgen aufwachen, strahlt die Sonne vom stahlblauen Himmel. Wir frühstücken schnell und machen uns schnurstracks auf den
Weg zum Vulkan Villarica. Ein toller Anblick bietet sich uns im Morgenlicht. Jetzt sehen wir auch, daß der Villarica gemütlich vor
sich hinpafft. Toll - in Neuseeland hatten wir auch schon Vulkane gesehen, doch die waren alle inaktiv. Wir verbringen den ganzen
Tag, die Nacht und den nächsten Morgen (mein Geburtstag) am Vulkan. Endlich mal ein Geburtstag, an dem es schön warm ist,
die Sonne lacht und kein Schnee oder Schneematsch draußen liegt. Am Nachmittag fahren wir zum Lago Villarica, denn wir
wollen noch Bilder vom See mit Vulkan im Hintergrund machen. Doch was uns dort erwartet, hätten wir uns nicht im Traum
vorsgestellt. Wahre Menschenmassen haben sich an den Stränden des Sees eingerichtet, um dort zu baden, Boot zu fahren und
einen schönen Sommertag am Strand zu verbringen. Wie will ich denn hier Bilder von einem einsamen See mit Vulkan machen?
Nun, es ist erst Mittag, vielleicht wird es ja gegen Abend besser. Wir beschließen also zu warten...und zu warten...und zu warten.
Gegen Abend werden es schon weniger Leute und zu Sonnenuntergang ist fast niemand mehr da. Hier ein paar Eindrücke vom
Villarica (Vulkan und See).
Am nächsten Tag ist das Wetter wieder wechselhafter und wir machen uns auf zum Parque Nacional Huerquehue (fragt mich
nicht, wie man das ausspricht). Rauschende Flüsse, Wasserfälle, alpine Seen und vor allem Araukarienwälder zieren diesen
12500 ha großen Park. Wir beschließen, uns auf den 9 km langen Wanderweg Los Lagos zu begeben, der in Serpentinen von
700 auf 1300 m durch dichte Südbuchenwälder zu kompakten Araukarienbeständen auf einer Hochfläche führen soll. Der Weg
geht zunächst noch relativ flach durch atemberaubenden Regenwald mit vielen Flechten, moosbewachsenen Bäumen und
exotischen Blüten. Überall sieht man blühende Fuchsien, die ich eigentlich von Zuhause als Sommerblumen kenne. Sie hier wild
in Form von riesigen Buschen, ja gar Bäumchen zu sehen, begeistert mich total. Dann geht es steil bergauf und spätestens nach 2 Stunden bereuen wir unsere Entscheidung. Der Weg ist zwar superschön, aber
wir sind am Ende mit unseren Kräften. Steffen hat ca. 20 kg auf dem Rücken und ich nicht viel weniger. Es ist schwülwarm und
der Schweiß läuft uns in Rinnsalen am Körper hinunter. Doch wir sind stur: jetzt sind wir fast oben, jetzt wird nicht aufgegeben.
Also schleppen wir uns weiter, bis dann bald endlich die erste Araukarie in Sicht kommt. Jetzt kann es wirklich nicht mehr weit
sein - und wirklich, nach ein paar Minuten sind wir oben. Endlich. Jetzt geht es nur noch eben am wunderschönen Lago Chico
vorbei. Riesige Fuchsienbüsche begeistern mich genauso wie die urtümlich aussehenden Araukarien (auch Andentannen genannt), die nur hier in einem schmalen Streifen im Seengebiet zu finden sind.
Wir wandern noch weiter bis zum Lago Verde, wo wir eine wohlverdiente Pause einlegen. Nachdem wir Speiß und Trank zu uns
genommen haben, genießen wir die atemberaubende Landschaft. Leider scheint diese Wanderung sehr beliebt zu sein, denn es
sind sehr viele Leute unterwegs. Man merkt halt schon, daß in Chile noch Ferien sind. Auf dem Rückweg können wir die
Umgebung wieder etwas besser genießen und finden einen Aussichtspunkt, von dem man einen schönen Blick auf den Lago Tinquilco und Vulkan Villarica hat. Total erledigt kommen wir wieder am Landy an und beschließen die Nacht auf einem gleich um die Ecke liegenden Campingplatz
zu verbringen. Nach der Schwitzerei sollten wir dringend duschen und wir haben noch etwas Fleisch im Kühlschrank, das gegrillt
werden möchte. Gegrillt haben wir, aber geduscht nicht, denn an der EINZIGEN Dusche war eine wahnsinns Schlange. Am
nächsten Morgen gab’s kein warmes Wasser und so fuhren wir ungeduscht ab. Kein Problem: wir fahren ja wieder auf die Panameriana und da gibt es auf der nächsten Raststätte bestimmt eine Dusche. Wie erhofft, finden wir bald eine Raststätte und duschen erstmal ausgiebig. Danach geht’s weiter auf der Panameriana bis wir
dann südlich von Osorno nach Puerto Octay abzweigen. Bei der Fahrt durch die Landschaft, kommen wir uns vor wie im Allgäu.
Felder, hauptsächlich Weiden, viele Kühe und Pferde - nur die Berge sehen anders aus. Hier werden die steilen, zackigen Berge
der Alpen durch schneebedeckte Vulkane ersetzt. Um Puerto Octay ergeben sich tolle Aussichten auf den Vulkan Osorno. Uns
gefällt die Landschaft, auch wenn wir finden, daß die Ursprünglichkeit fehlt - es ist halt auch eine Kulturlandschaft. Man merkt hier
schon, daß sämtliche Siedlungen um den Lago Llanquihue von Deutschen gegründet und die Umgebung von deren Vorstellungen
geprägt wurde. Direkt am Fuße des Vulkans befindet sich der Parque Nacional Vicente Perez Rosales, der ein absolutes
Highlight beherbergt: die Saltos de Petrohue, von wo aus man einen herrlichen Blick auf besagten Vulkan hat. Wir haben wieder
einmal Glück mit dem Wetter und können ein ganz gutes Bild von Stromschnellen und Vulkan im schönen Abendlicht machen. Am nächsten Tag geht es gleich weiter zu unserer nächsten Destination. Warum die Eile? Nun, wir wollen noch im Februar die
Atlantikküste in Argentinien erreichen, denn ab März machen sich die Magellanpinguine rar und verlassen ihre Brutplätze an den
Stränden. Im Februar sollten noch genügend an Land sein, um sich ein gutes Bild vom Spektakel machen zu können. Also,
nichts wie weiter. Vom Nationalpark fahren wir nicht zurück auf die Panameriana, sondern zunächst noch auf Teer, später auf
einer üblen Schotterpiste, vom Ostende des Lago Llanquihue, in Richtung Süden mit Zwischenziel Puelo. Die Fahrt führt entlang
des Estuario de Relonavi, einem Fjord, das tief in das Festland hineinreicht. Eigentlich dachten wir, daß es hier ziemlich
unberührt sein müßte, doch wir haben uns wieder mal getäuscht. Rechts und links der Straße ist alles in Privatbesitz und gehört
entweder Bauern oder Fischern. Nach einem halben Tag Geholpere erreichen wir schließlich die Carratera Austral und fahren auf
ihr noch weiter Richtung Süden bis nach Hornopiren. Da wir den hiesigen Nationalpark besuchen möchten, kämpfen wir uns auf
Nebenstraßen bis zu einem Schild und einer Schranke durch. Ist das nun der Eingang? Geht es nicht mehr weiter? Wir
untersuchen den weiterführenden Weg und finden bald heraus: hier geht es nicht weiter, denn der Weg ist total weggeschwemmt.
Ein Schild sagt, daß es zum Eingang noch 5 km sind. Na, die glauben doch wohl nicht, daß wir erst 5 km zum Eingang laufen
um dann erst im Park die dortigen Wanderwege zu benutzen. Da sind wir ja kaputt, bis wir dort sind. Um unser Glück noch
komplett zu machen, torkelt auch noch ein total betrunkener Einheimischer mit blutverschmiertem Bauhelm! auf dem Kopf, auf
uns zu. Er versucht uns irgendwas zu sagen, aber wir verstehen überhaupt nichts. Chilenisches Spanisch zu verstehen ist schon
schwer genug; aber auch noch von einem Betrunkenen....absolut unmöglich. Er will uns immer wieder die Hand schütteln und
irgendwann wollen wir hier nur weg. Etwas kurz angebunden verabschieden wir uns und holpern wieder zurück Richtung
Hornopieren. Was nun tun? Wir brauchen noch einen Übernachtungsplatz und es ist schon ziemlich spät. Auf meiner Karte ist
ein Wasserfall eingezeichnet und wir beschließen einmal dorthin zu fahren und zu schauen, ob wir dort ein Plätzchen finden.
Entlang der Straße ist nichts zu machen. Entweder alles Privatbesitz oder dichter Urwald. Beim Wasserfall findet sich dann doch
ein Plätzchen. Zwar direkt an der Straße aber es ist ohnehin kaum Verkehr. Nebenbei kann ich noch einige Bilder vom türkisblauen Fluss und Bergen im Hornopiren Nationalpark machen. Da der Nationalpark offensichtlich sehr schlecht erschlossen ist, machen wir uns wieder auf den Rückweg. Nach Hornopiren, auf
der Carratera Austral bis nach Puelche, dann mit der Fähre nach La Arena und weiter bis Puerto Montt. Zurück auf die
Panamericana für eine Dusche und Übernachtung und bei Osorno ab in Richtung Entre Lagos und Parque Nacional Puyehue. Der
Nationalpark Puyehue hat mehrere Teile, wir halten uns jedoch nur im Sektor Anticura auf, da wir die dortigen Wasserfälle
besuchen wollen. Als wir ankommen ist das Wetter sehr schlecht und es regnet in Strömen. Wir beschließen noch eine Weile zu
warten, vielleicht heitert es ja etwas auf. Für Wald und Wasserfälle ist bedeckt schon gut, nur regnen sollte es halt nicht. Nach
einer Weile hört es tatsächlich auf mit Regnen und wir starten zu unserer Wanderung. Was wir entdecken, verschlägt uns
buchstäblich den Atem. Atemberaubender Regenwald mit flechtenbehangenen Bäumen, blühenden Luftpflanzen und riesigen
Farnen erwartet uns. Manche Bäume sind so dicht mit Moos bewachsen, daß keine Rinde mehr zu sehen ist. Wir wandern
staunend durch den Wald und besuchen den Salto del Indio und den Salto de la Princesa. Hier ein paar Eindrücke: Nachdem wir uns am Regenwald sattgesehen haben, machen wir uns wieder auf die Suche nach einem Schlafplätzchen für
unsere letzte Nacht in Chile (zumindest vorerst). Nach einer ruhigen Nacht, geht’s morgens los in Richtung Argentinische Grenze.
Wir sind ziemlich aufgeregt, denn wir wissen nicht, wie alles mit den Dokumenten für den Landy klappen wird. Hoffentlich versteht
einer Englisch und die temporäre Einfuhr des Landys geht glatt. Es stellt sich bald heraus, daß wir uns umsonst Sorgen gemacht
haben. Die ganze Ein-/Ausreise-Prozedur, erst von uns und dann noch dem Landy, ist ziemich verwirrend, doch wir meistern alles
problemlos und sind froh, als wir argentinischen Boden betreten. Kurz nach der Grenze beginnt der Nationalpark Nahuel Huapi,
der sehr schön sein soll, doch wir können dank des schlechten Wetters absolut nichts sehen. Es regnet in Strömen und die
Wolken hängen so tief, daß wir die uns umgebenden Berge nur erahnen können. In Villa La Angostura angekommen, müssen wir
zuerst einmal eine Haftpflichtversicherung für den Landy abschließen, die Schäden an Dritten abdeckt. Es ist eine ziemliche
Kugelfuhr, bis wir endlich einen Versicherungagenten finden. Dort angekommen, ist jedoch alles kein Problem mehr. Wir
schließen eine Haftpflichtversicherung ab, die in fast allen Südamerikanischen Ländern gilt und uns für 6 Monate ca. 150 EUR
kostet. Wir sind zufrieden und fahren weiter Richtung San Carlos de Bariloche. Nachdem wir eingekauft und aufgetankt haben,
geht’s weiter Richtung Süden bis nach Esquel und dann nur noch nach Osten Richtung Alantikküste. Die Fahrt an die Küste
dauert ca. 2 Tage und unterwegs gibt es nicht viel Interessantes zu sehen. Wir sehen viele Guanacos und auch Nandus, aber die
sind so scheu, daß schon das Verlangsamen des Tempos reicht, um sie in die Flucht zu schlagen. Einmal durchfahren wir einen
Canyon, der uns etwas ans Monument Valley erinnert - ansonsten nur vegetationslose Papa und unsagbar starker Wind. Der
sagenumwobene Patagonische Wind hat uns während der gesamten Fahrt im Griff. Am Abend des zweiten Tages erreichen wir
schließlich Trelew, wo wir den im Reiseführer angeprießenen Campingplatz ‘Patagonia’ aufsuchen wollen (Grund: Dusche). Wir
fahren mindestens 3 mal hin und her und finden keinen Hinweis. Verzweifelt biegen wir auf eine Holperpiste ab, nur so auf’s
Geratwohl...und...finden den Platz tatsächlich. Es ist auch jemand da, doch wir erfahren von den Besitzern, daß der Platz
geschlossen ist. Hmm...ja, sieht man. Alles ist ziemlich dreckig und überwuchert. Wir fragen, ob wir trotzdem bleiben können und
das Ehepaar sagt ja. Sie putzt schnell noch mal das Bad und der Besitzer verspricht am nächsten Morgen ein Feuer! zu machen,
damit wir warm duschen können. Also Leute: alle, die Lonely Planet lesen: Camping Patagonia bei Trelew gibts nicht mehr.
Vielleicht macht der Sohn nächstes Jahr wieder auf, aber Genaues weiß man nicht...
Frisch geduscht machen wir uns am nächsten Tag auf den Weg nach Punto Tombo, der größten Festlandbrutkolonie der
Magellanpinguine. Als wir ankommen ist das Wetter immernoch schlecht und wir überlegen, ob wir mit dem Reingehen noch
einen Tag warten sollen. Wir fragen nach dem Eintrittspreis und fallen beinahe um vor Schock, als wir den Preis erfahren. 7 EUR
pro Nase und das ganze nur für einen Tag. Da wir aber erst Nachmittags gekommen sind, dürften wir am nächsten Morgen
nochmal rein - wie gnädig. Da man nie weiß, ob das Wetter nicht noch schlechter wird, zahlen wir etwas widerwillig und betreten
das Brutgebiet. Fairerweise muß man sagen, daß Punta Tombo eine einzigartige Möglichkeit ist, diese lustigen Vögel zu
beobachten. Festgelegte Wege führen mitten durch die Kolonie und man läuft quasi direkt an den Bruthöhlen vorbei. Jetzt Ende
Februar sind noch die meisten Vögel da, auch wenn die Jungen schon ziemlich groß sind. Viele wechseln schon auf das
Erwachsenengefieder und sehen aus wie Punks. Es gibt auch eine Stelle, wo man einen guten Blick auf den Strand hat und die
jungen Pinguine beim ‘Schwimmunterricht’ beobachten kann. Die Geräuschkulisse ist enorm und überall sind die eselsähnlichen
Rufe der erwachsenen Frackträger zu hören. Weil ihr Ruf dem ‘Iaaen’ eines Esels ähnelt, heißen sie auch Eselspinguine. Genug auf die Folter gespannt, nun einige Bilder aus der Pinguinkolonie:
Außer Pinguinen hat es noch allerlei anderes Getier. Zwischen den Bruthöhlen laufen Nandus und auch Guanacos umher ohne
sich gegenseitig zu stören. Da wir auf dem Parkplatz vor der Confiteria über Nacht parken können, verbringen wir 2 ruhige Nächte an der Punta Tombo. Unser
nächstes Ziel ist Puerto Madryn und dann die Halbinsel Valdez. Wir sind schon sehr gespannt auf dieses berühmte Tierreservat
und hoffen, dort einiges an Getier vor die Linse zu bekommen. Davon erfahrt Ihr aber im nächsten Bericht. Dieser ist ja schon lang genug, oder? |