Von Punta Tombo aus machen wir uns auf den Weg auf die Halbinsel Valdez, die weltweit als Tierparadies gilt.
Wir haben zwar schon gehört, daß es mit dem Fotografieren schwierig sein soll, weil alle Tiere ziemlich weit weg sind, fühlen jedoch einen inneren Zwang dieses angebliche Paradies zu besuchen, da
wir nun schon mal in der Nähe sind. Dazu müssen wir sagen, daß wir die Halbinsel Valdez in den letzten Februartagen angesteuert haben. Eigentlich gehören die folgenden Ausführungen deshalb in den
letzten Reisebericht, richtig? Der war jedoch schon so lang, daß wir dachten es reicht. Schließlich wollen wir nicht, daß unsere Leser aus Langeweile einschlafen...Von Punta Tombo
erreichen wir also über Puerto Madryn die Halbinsel Valdez. Hatten wir uns vom Schock über das hohe Eintrittsgeld bei den Pinguinen fast erholt, trifft uns schon der nächste. Die Valdez kostet
für Ausländer 75 Pesos (ca. 15 EUR) pro Person. Argentinier zahlen nur 15 Pesos (ca. 3 EUR) und Einheimische der Region 3 Pesos (ca. 0,70 EUR).Wir können es fast nicht fassen, spricht der Lonely
Planet doch von 8 US-Dollar? Sieht aus, als ob sich die Preise in den letzten 3 Jahren schnell mal verdoppelt haben.... Wir ärgern uns maßlos, doch was hilft's. Wir erfahren, daß wir immerhin auf
der Halbinsel bleiben können so lange wir wollen. Na, dann ist es ja doch nicht so schlecht, denn wir planen wild auf den Parkplätzen der jeweiligen Beobachtungspunkte zu übernachten. Schon fast
bei Sonnenuntergang fahren wir auf dem Parkplatz zur Punta Delgada ein. Daß dort eine Überwachungskamera angebracht ist, kommt uns ja schon etwas merkwürdig vor. Trotzdem denken wir uns nichts
dabei (funktioniert wahrscheinlich sowieso nicht) und richten uns für die Nacht ein. Daraus wird dann aber leider nichts, denn ein eifriger Nachbar weist uns darauf hin, daß man auf der ganzen
Halbinsel nicht frei übernachten darf, sondern nur in Puerto Pyramides, dem einzigen Dorf der Halbinsel, und zwar auf dem hiesigen Campingplatz. Sehr unfreundlich macht er noch klar, daß er uns
bei der Polizei verpfeiffen wird, wenn wir nicht sofort verschwinden. Unser Kennzeichen hat er schon aufgeschrieben, als er sich uns näherte. Ein hoch auf die Argentinische Gastfreundschaft! Also
machen wir uns nun, schon bei Nacht, auf dem Weg ins ca. 60 km entfernte Puerto Pyramides. Auf dem Weg zum Camping Municipal fahren wir an der einzigen Tankstelle vorbei und es ist uns jetzt
völlig klar, wie die Geldmaschine/Touristenfalle Valdez funktioniert: Übernachten darf man nur auf dem Campingplatz (später erfahren wir, daß es wohl auch frei am Strand geht, aber das wussten
wir damals noch nicht), was pro Nacht 8 EUR kostet. Verlässt man die Insel ohne einen Bestätigung einer Unterkunft, muß man beim Wiedereintritt nochmals zahlen. Man darf nicht an den
interessanten Tierbeobachtungsstätten wir Punta Norte oder Caleta Valdez übernachten, was zur Folge hat, daß man täglich mindestens 120 km fahren muß um bei Nacht wieder auf 'legalem' Grund zu
sein. Die Entfernungen sind nämlich weit. Da schliesst sich dann auch die Falle wieder: weil man so weit fahren muß, muß man natürlich öfters tanken. Ratet mal wo? Natürlich an der örtlichen
Tankstelle. Unser Ärger ist noch nicht abgeflaut, als wir uns bei Dunkelheit einen Platz auf dem Campingplatz suchen. Wir stehen einfach irgendwo hin wo es frei ist und legen uns schlafen. Nun
kann die Horrornacht weitergehen: im Auto ist es zu heiß, öffnet man ein Fenster zieht der starke Wind durch, Steffen hustet ununterbrochen (Bronchitis will trotz Tabletten und Saft einfach nicht
weggehen) und zu guter Letzt reist gegen 2 Uhr Nachts auch noch eine Gruppe Jugendlicher an, die dann mit dem Zeltaufbau direkt neben uns beginnt (obwohl es sonst noch genügend Platz gehabt
hätte)! Die Stimmung ist auf dem Nullpunkt und schlafen können wir diese Nacht kaum. Am nächsten Morgen stehen wir bei strahlendem Sonnenschein ziemlich gerädert auf. Jetzt bei Tageslicht
können wir uns auf dem Campingplatz umsehen und stellen fest, daß er ganz hübsch ist. Direkt am Strand gelegen hinter einer Düne. Wir ziehen in eine ruhigere, von Partynachbarn verschonte Ecke
und beschließen noch einen Tag zu bleiben. Steffen kann sich hoffentlich auskurieren und Wäsche muß auch mal wieder gewaschen werden. So ist an diesem Tag einfach nur Campleben angesagt. Ich
wasche Wäsche, Steffen ruht sich etwas aus, dann gibt's gegrillte Würstchen zu Mittag und gegen Abend gesellt sich sogar noch eine liebe schwarzweiße Katze zu uns. Wir geben ihr ein paar
Essensreste und ab dem Zeitpunkt will sie uns nicht mehr verlassen. Sie sitzt Steffen sogar auf den Schoß und läßt sich kraulen.
Am Abend stellen wir fest, daß wir sogar einen Stromanschluß haben und beschließen nochmals einen Tag zu bleiben. Wir
duschen mal wieder und arbeiten den Rest des Tages am Rechner. Da Steffens Husten etwas besser zu sein scheint, machen
wir uns nach 2 Tagen Campingleben auf den Weg, die Halbinsel zu erkunden. Es sei noch kurz angemerkt, daß uns die Katze
am Ende des 2. Tages keines Blickes mehr gewürdigt hat und lieber bei den Nachbarn geblieben ist. Untreue Tomate!
Wir fahren also an die ca. 70 km entfernte Punta Norte, um Seelöwen zu sehen. Recht früh starten wir, um das gute Licht zu
erwischen, doch wir werden durch die schlechte Straße aufgehalten. Der Schotter ist zum Teil bis zu 10 cm tief und es ist
wirklich sehr gefährlich zu fahren. Kommt man nur ein bißchen aus der vorgegebenen Spur, gerät man ins Schleudern. Zudem
hatten wir einige Tage zuvor ein sonderbares Geräusch an der Hinterachse des Landys bemerkt. Geräusche beunruhigen uns
beim Landy nicht besonders, doch das Auto war auch schwierig zu lenken, vor allem bei Lastwechseln. Steffen findet bei einer
Inspizierung heraus, daß eine Buchse an der Achsaufhängung zerschmettert ist – ein oft auftretendes Problem, wenn man so
viele so schlechte Schotterpisten fahren muß. Nach dem Problem muß also geschaut werden. Wie es der Zufall manchmal so
will, treffen wir auf der Fahrt auf einen weißen Landy mit argentinischem Kennzeichen. Eine junge Familie ist unterwegs und wir
unterhalten uns so gut es halt geht mit unserem schlechten Spanisch. Wir fragen die netten Landyenthusiasten, ob sie eine
Werkstatt kennen, die sich mit Defendern auskennt. Welch ein Glück, daß sie einen Kumpel in Puerto Madryn (also ganz in der
Nähe) haben, der selbst Landy fährt und sich super auskennt. Wir beschließen, dort in ein paar Tagen mal vorbeizuschauen. Als
wir Punta Norte erreichen sind wir erstmal enttäuscht. Am Morgen ist der komplette Seelöwenstrand im Gegenlicht und die Tiere
sind wirklich sehr weit entfernt. Wir beschließen zum Auto zurückzugehen und was zu kochen, als plötzlich ein Gürteltier auf
dem Parkplatz auftaucht. Wirklich lustige Viecher sind das! Sie sind an die Leute gewöhnt und hoffen, ein paar Essensreste abzubekommen. Sie laufen einem sogar zwischen den Beinen herum....
Nach Gürteltierfotografie und Mittagessen gehen wir nochmals zu den Seelöwen. Für's Auge ist es jetzt toll. Es ist nämlich Ebbe
und riesige mit Wasserpflanzen oder Algen (ist von der Entfernung nicht zu erkennen) bewachsene Felsbänke liegen frei.
Jungtiere baden in den zurückgebliebenen seichten Tümpeln und die Alten, die vom Fischen im Meer zurückkommen, müssen
über die Felsbänke robben um den Strand zu erreichen. Das Licht ist nun besser, aber die Tiere sind immernoch weit weg (wir
brauchen mindestens 1000 mm Brennweite) und vor allem flimmert die Luft durch die Hitze so stark, daß keine scharfen
Aufnahmen möglich sind. Später wird das Licht dann besser und wir können ein paar Bilder machen. Am nächsten Tag fahren wir nach Caleta Valdez zur hiesigen Seeelefantenkolonie. Wir wissen zwar, daß die mit der
Fortpflanzung früher im Jahr dran sind als die Seelöwen, aber im Informationszentrum sagt man, daß noch welche zu beobachten
seien. Auf der Strecke dorthin versuchen wir mal wieder den tiefen Schotter zu durchfahren. Wir sind ziemlich langsam
unterwegs, als wir plötzlich vor uns auf der Gegenfahrbahn eine große Staubwolke erkennen können. Ein Auto steht quer...sollte
da etwa ein Unfall passiert sein? Wir kommen näher–und tatsächlich, ein kleiner Renault hat sich überschlagen. Sage und
schreibe 6 Personen (4 Erwachsene und 2 Kinder) zwängen sich aus dem auf dem Dach liegenden Fahrzeug. Frauen und Kinder
weinen und sind überall blutverschmiert. Der Fahrer scheint jedoch unverletzt und bei klarem Verstand zu sein. Auf unsere
Anfrage, ob wir einen Krankenwagen besorgen sollen, winkt er nur ab und meint es wäre schon nicht so schlimm. Naja, ich weiß
ja nicht: die beiden Frauen bluten ganz schön im Gesicht und die Kids weinen natürlich. Aber wenn der Familienvater meint es
wäre alles o.k.? Vielleicht haben sie ja auch keine Krankenversicherung, kommt uns dann in den Sinn... Gott sei Dank hat
mittlerweile auch ein Reisebus angehalten und die Passagiere kümmern sich um die Verletzten. Wir können uns ja nicht mal mit
ihnen unterhalten und stehen nur ziemlich hiilflos daneben. Auf eine Art können wir aber doch helfen: das Auto liegt auf dem Dach
und soll umgedreht werden. Da kann natürlich unsere Seilwinde super helfen. Schnell wird ein Bergegurt um das Auto gelegt und
die Seilwinde zieht das Wrack im Nu auf die Räder. Die Männer versuchen das Auto wieder flott zu kriegen (was auch klappt) und der Reisebus fährt mit den Verletzten nun doch zum Arzt.
Ziemlich erschüttert setzen wir unsere Fahrt dann fort. Wir machen noch einen Zwischenstopp an einer kleinen Pinguinkolonie
(nichts im Vergleich zu Punta Tombo) und erreichen dann Caleta Valdez. Seeelefanen sehen wir nur zwei oder drei ganz weit weg
am Strand, dafür erregen aber einige Graufüchse unsere Aufmerksamkeit. In der Nähe des Parkplatztes streunen sie im Garten
des Hotels und der angrenzenden Pampa herum. Es stellt sich heraus, daß es sich um einen Erwachsenen (wahrscheinlich die
Mutter) OHNE OHREN! und 3 Jungtiere handelt. Mutter läßt sich nicht oft blicken, aber die Jungen spielen bis zum
Sonnenuntergang direkt vor unseren Augen. Einmal läßt sich noch ein Gürteltier blicken und wir hoffen schon, daß die Jungen mit
im spielen wollen. Sie sind auch interessiert, halten aber doch Abstand. Schade! Zufrieden fahren wir bei Nacht wieder zurück und verlassen die Halbinsel. Wir wüßten nicht, was wir hier noch machen sollten. Die
Seelöwen haben wir so gut wie eben möglich fotografiert, Orcas sind schon seit längerer Zeit keine gesichtet worden, Seelefanten
sind nur sehr vereinzelt zu sehen und Walsaison zur Sichtung des Südlichen Glattwals ist schon lange nicht mehr. Nur ein paar
Kilometer außerhalb des Reserva Faunistica Peninsula Valdez suchen wir uns einen Übernachtungsplatz am Straßenrand. Am
nächsten Morgen geht's weiter und unser Handy piepst gleich ein paar mal hintereinander. Uups, offensichtlich haben wir wieder
Empfang. Auf der Valdez gab's nämlich keinen. Neugierig lesen wir die SMS und sehen Fragen: 'geht's Euch gut' oder 'meldet
Euch!' usw. Eine SMS von Steffens Schwägerin verrät uns dann auch, weshalb die Aufregung. Offensichtlich hat es in Chile ein
größeres Erdbeben gegeben und alle Familienangehörige und Freunde dachten, wir seien noch dort. Wir sind ja in nur 2 Tagen
von Chile an die Atlantikküste gefahren und hatten keine Möglichkeit unsere E-mails zu checken und alle auf den aktuellen Stand
zu bringen. Nachdem wir die Gemüter zu Hause beruhigt haben, fahren wir nach Puerto Madryn um unser Buchsenproblem an der
Hinterachse in Angriff zu nehmen. Leider ist Sonntag und wir müssen einen ganzen Tag bei einer Affenhitze im Landy aushalten.
Um möglichst viel Solarstrom zu haben (wir müssen Akkus laden) parken wir in der Sonne und braten dabei fast im eigenen Saft.
Am nächsten Tag geht's dann also zur Werkstatt. Etwas runtergekommen sieht alles aus, doch wir sehen schon 2 Landys auf
dem Hof stehen. Der Besitzer heist Jorge und ist super nett. Er ist ein absoluter Landyenthusiast und besitzt selber einen, den er
im Camel-Trophy-Style aufgemotzt hat ( das ist der mit hellorangenen Farbe). Jorges Hunde beschnuppern unseren Landy gleich
und markieren ihn als ihr Revier, in dem sie an die Reifen pinkeln. Pfui! Nun kommt jeder andere dahergelaufene Köter auch und
meint er müsse seine Duftnote darüber setzen. Das Problem mit der Buchse ist nichts Besonderes für Jorge und sein Mitarbeiter
wechselt sie uns schnell aus. Als wir fragen, wieviel es nun kosten soll, sagt er: ‘nichts’ und lädt uns zum Mittagessen zu sich
nach Hause ein. Wir bekommen ein tolles Mittagessen vorgesetzt und er zeigt uns Bilder von sich und seiner Familie auf Reisen
mit dem Landy und von anderen Overlandern aus Europa, die schon mit ihren Landys bei ihm waren. Besondes stolz ist er auf
einige Landrover-Magazine aus Europa und Bilder, die ihm seine Bekannten aus Europa gemailt haben. Wir beschließen, ihm von uns auch welche zu schicken, wenn wir wieder zu Hause sind... Bei Jorge zuhause sehen wir dann auch zum ersten Mal Bilder vom Erdbeben in Chile. Es scheint ja wirklich ganz schön schlimm
gewesen zu sein, besonders die Panamericana muß es schwer erwischt haben. Treibstoff und Wasser sollen Mangelware sein
und Leute würden schon Läden stürmen, um noch an Vorräte zu kommen. Die Abfertigung von Fluggästen auf dem Flughafen in
Santiago wird in Zelten durchgeführt. Wir sind wirklich froh, daß wir es rechtzeitig aus Chile rausgeschafft haben... Am
Nachmittag verabschieden wir uns herzlich von Jorge und seiner Frau und suchen erstmal ein Internetcafe' auf, um all die sorgenvollen Nachfragen von Freunden zu beantworten und sie zu beruhigen.
Nachdem wir nochmals Vorräte und auch den Landy aufgetankt haben, machen wir uns auf der Ruta 3 gen Süden. Die Fahrt ist
ziemlich eintönig, denn außer trockener Pampa und Zäunen ist nichts Besonderes geboten. Wir sehen viele Guanacos und
Nandus, doch die suchen alle schon das Weite, sobald wir nur das Tempo verlangsamen. Wenn wir anhalten fliehen sie absolut
panisch. Wir denken: 'na das mit den Guanacos kann ja heiter werden, wenn die so scheu sind...' . Dann sehen wir plötzlich
unseren ersten und wahrscheinlich auch letzten Puma: leider ist er nicht mehr lebendig sondern mehr als tot und als Warnung an
einen Zaun genagelt. Das Fell wurde abgezogen, der Kopf abgeschlagen und das Fleisch und die Sehnen der Sonne zum
trocknen überlassen... Schade um das schöne Tier – hat es dem Besitzer der hiesigen Estancia zu viele Schafe gerissen? Mit
schönen Übernachtungsplätzen ist hier nicht viel, da alles eingezäunt und in Privatbesitz ist. Riesige Estancias reihen sich
aneinander und unzählige Schafe müssen sich vom kargen Boden ernähren. Wir parken also einfach entlang von Nebenstraßen
(natürlich geschottert, was auch sonst) und legen uns schlafen. Einmal werden wir am Morgen sehr unsanft vom Besitzer
geweckt. Das sei hier Privatgrund, sagt er. Uns ist zwar ein Rätsel wie eine Straße Privatgrund sein kann, aber wenn er so meint?
Erst will er uns wegschicken, aber als er sieht, daß wir Deutsche sind und nur geschlafen haben (also kein wildes Camp
aufgebaut haben) wird er friedlicher. Wenn man einmal die Müll- und Klopapierberge entlang der Straße gesehen hat, wundert es
einen nicht, daß die Leute keine Camper haben wollen. Offensichtlich halten die Südamerikaner nicht viel von Sauberkeit und
müllen alles zu. Da es auch nirgends Toiletten gibt (außer an Tankstellen) sch..... die Leute halt einfach in die Gegend. Gar nicht
so einfach, sein Geschäft in der baum- und buschlosen Steppe ungesehen zu verrichten...
Einen schönen Übernachtungsplatz finden wir nach Comodoro Rivadavia direkt am Strand. Es gefällt uns so gut, daß wir gleich
zwei Nächte dort verbringen. Im 'Fernsehen' kommt 'Angeln für Jung und Alt', was wir auch ausgiebig beobachten können. Nach 5 Tagen erreichen wir dann endlich Rio Gallegos. Auf dem Parkplatz des hiesigen Supermarktes lernen wir Frank und
Andrea aus Deutschland kennen, die auf dem Motorrad durch Südamerika reisen. Sie sind auf dem hiesigen Campingplatz und,
da wir mal wieder duschen sollten, beschließen wir auch dorthin zu gehen. Weil der Platz so günstig ist, bleiben wir gleich 2 Tage
und bringen auch noch die Wäsche in die Wäscherei. Nach einem fröhlichen gemeinsamen Grillabend machen wir uns am nächsten Tag weiter auf den Weg nach Feuerland.
Als wir am Fähranleger ankommen stehen schon einige Autos und warten auf die Ankunft der Fähre. Leider ist das Wetter
ziemlich trüb, so wie man es sich von Feuerland halt vorstellt. Die Überfahrt, bei der wir Delphine und auch Pinguine beobachten
können, ist ziemlich kurz (nur ca. 20 Minuten) und im Nu sind wir auf dem chilenischen Teil von Tierra del Fuego.
Der nördliche Teil Feuerlands ist ziemlich öde. Fast alles ist baumlose Pampa, die zu riesigen Estancias gehört und als Weide
genutzt wird. Guanacos gibt es auch ab und zu, denn die haben sich wohl an die Zäune gewöhnt und stören sich nicht daran. Für
sie ist es ein Leichtes diese Barrieren zu überhüpfen. Der patagonische Wind weht hier gnadenlos über die fast ebene Steppe. So
stark, daß es einem richtig auf die Nerven geht, weil man es nicht einmal schafft, die Türe zu öffnen. In San Sebastian erledigen wir nochmals Grenzformalitäten und übertreten zum 2. Mal innerhalb eines Tages die Grenze
zwischen Chile und Argentinien. Nun sind wir wieder in Argentinien, doch die Landschaft ändert sich zunächst nicht. Erst nach
Rio Grande wird es endlich interessanter. Es tauchen plötzlich von Flechten behangene Bäume auf, die früher bestimmt mal die
ganze Gegend bedeckt haben. Je südlicher wir kommen, desto größer und dichter werden die Wälder und es sind nicht mehr so
viele Zäune zu sehen. Als wir schließlich den Lago Fagano erreichen, sind wir begeistert. Dichte Wälder, Flüsse, Moore und Seen
bedecken die Landschaft und geben einem das Gefühl, als wäre man im Norden Amerikas. Am Lago Fagano entdecken wir direkt
am See ein tolles Übernachtungsplätzchen. Da es erst Mittag ist und der See jetzt im Gegenlicht ist, müssen wir fürs
Fotografieren auf den Sonnenuntergang warten. Wir machen es uns gemütlich und warten und warten... Die Nacht war sehr kalt und wir sind mal wieder froh, daß wir eine Standheizung im Landy haben. Nach einem Frühstück mit
heißem Tee geht es wieder auf die Straße. Auf der Fahrt durch das Landesinnere passieren wir den Lago Escondido und
schließlich überqueren wir einen Pass, der uns in eine sagenhafte Bergwelt bringt. Mit rotem Torfmoos bedeckte Moore wechseln
sich mit flechtenbehangenen Wäldern und Flüssen ab, eingerahmt von beeindruckenden Bergen. Das Wetter ist auch ganz nett und so können wir einige schöne Aufnahmen machen. Immer weiter geht die Fahrt, bis wir schließlich das direkt am Beagle Kanal gelegene Ushuaia, das sich selbst als die südlichste Stadt der Welt
bezeichnet, erreichen. Wir kaufen erst Mal ein und fahren dann zum Nationalpark Tierra del Fuego. Als wir jedoch dort ankommen, trifft uns
wieder der Schock. 50 Pesos (10 EUR) wollen sie für Ausländer pro Person, und das Ticket gilt nur für 2 Tage. Argentinier zahlen nur 15 Pesos und
Ortsansässige nur 3. Dieses Mal ist es also nicht nur das Doppelte, sondern das Dreifache, was Ausländer gegenüber den Einheimischen zahlen
müssen. Eine Unverschämtheit, zumal wir wissen, daß es vor zwei Jahren ‘nur’ 20 Pesos (also 4 EUR) gekostet hat. Auf Nachfrage bestätigt die Dame
im Kassenhäuschen dies. Sie haben innerhalb von 2 Jahren mal schnell um über das Doppelte aufgeschlagen. Wir kochen schon wieder vor Wut. Wenn
man bedenkt, daß man für 25 US-Dollar für 7 Tage den Grand Canyon besuchen kann (pro Auto, also bis zu 6 Personen), dann steht das hier in absolut keinem Verhältnis. Ganz zu schweigen vom
sagenhaften Nationalpark-Pass, mit dem man ein Jahr lang alle Nationalparks, National Monuments und National Forests in der
USA besuchen kann. Da das Wetter sowieso schlecht ist, beschließen wir deshalb wieder umzukehren und den Nationalpark
nicht zu besuchen. Am Abend bessert sich das Wetter kurzfristig und wir besuchen den Jachthafen von Ushuaia und bekommen sogar noch einen Regenbogen als Dreingabe.
Anstatt des Besuchs des Nationalparks machen wir uns auf den Weg, die Gegend östlich von Ushuaia zu erkunden. Auf einer
guten Schotterstraße fahren wir durch ein wunderschönes bewaldetes Tal in Richtung Puerto Almanza, ein niedliches Fischerdorf
direkt am Beagle-Kanal gelegen. Wir finden ein Übernachtungsplätzchen direkt am Meer von dem man einen guten Blick auf
Puerto Williams, das auf der anderen Seite des Kanals liegt, hat. Am nächsten Tag fahren wir die Straße in Richtung Osten und durch das Gebiet der riesigen Estancia Haberton. Wir passieren
vom ewigen heftigen Wind gebeugte Bäume und von Landwirtschaft geprägte Landschaften. Nach 3 Tagen kehen wir wieder in die Zivilisation nach Ushuaia zurück. Das Wetter ist gelinde gesagt bescheiden. Es ist so kalt geworden, das es
beinahe bis auf Meereshöhe schneit. Während ich beim Einkaufen im Supermarkt bin (Steffen wartet -wie immer- im Auto), kommt überraschend
Frank zum Landy und erzählt Steffen, daß sie schräg gegenüber im Hostal wohnen. Im Zelt ist es ihnen einfach zu kalt und ungemütlich. Kein Wunder!
Klein ist jedoch die Welt. Da wir duschen und einen Reisebericht schreiben müssen (den Februar-Bericht), beschließen wir auf den Campingplatz Pista
del Andino zu gehen. Wir bleiben dort 2 Tage, um das Sauwetter zu überstehen. Nach getaner Arbeit versuchen wir den Bericht gleich
hochzuladen, doch die Verbindung ist zu langsam. Steffens Patenkind Helena hat Konfirmation und wir hätten gerne parallel zum Telefonat noch
eine E-Mail mit Fotogruß geschickt. Leider will aber auch die Mail nicht
raus. Somit muß erst mal das Telefonat genügen. Das Wetter wird noch kälter und uns wird schon Bang, ob der Paß, den wir auf
der Fahrt Richtung Norden überqueren müssen, noch passierbar ist. Nach insgesamt einer Woche kehren wir Ushuaia wieder den
Rücken und suchen nördlichere und hoffentlich wärmere Gefilde auf. Unser Ziel ist es, schneller als der Winter zu sein.
Der Paß ist, wie befürchtet, verschneit, aber trotzdem ist er passierbar. Als wir den höchsten Punkt überschreiten sehen wir, daß
es auf der anderen Seite viel besseres Wetter ist und kein Schnee liegt. Blauer Himmel und ein toller Blick auf den Lago Escondido. Das ist doch wirklich ein Foto wert.
Wir fahren noch weiter und beschließen nochmals eine Nacht an ‘unserem’ Camp am Lago Fagano zu verbringen. Die
Standheizung wird uns dabei wieder gute Dienste leisten. Nach einer wiederum kalten Nacht machen wir uns weiter auf den Weg nach Norden. Wir lassen die schönen Berge und Wälder des südlichen
Feuerlands hinter uns und durchfahren wieder die baumlose und ziemlich öde Steppe Nordfeuerlands. Nach einer Halbtagesfahrt erreichen wir wieder
den Fähranleger. Doch- was ist das? Ein unglaublicher Rückstau hat sich gebildet. Wir stellen uns in die Reihe und warten und warten und warten,
einen ganzen Nachmittag lang. Genau wissen wir es nicht, aber wir denken, daß die Fähre wegen des unsagbar starken Windes (eigentlich ist es Sturm)
nicht fahren kann. Riesige Wellen peitschen über den schmalen Kanal und es wäre wahrscheinlich zu gefährlich, bei diesen Bedingungen eine Überfahrt
zu wagen. Unter diesen Umständen warten wir doch gern.
Spät am Abend erreichen wir also erst wieder chilenisches Festland.
Eigentlich wollten wir nach Punta Arenas, aber das reicht es jetzt wohl nicht mehr. Wir suchen uns ein leider ziemlich lautes Plätzchen neben der Straße
und kochen eine anständige Mahlzeit im Landy. Immer wieder fahren in gewissen Abständen Lastwagen an Lastwagen vorbei. Anscheinend arbeitet
die Fähre die ganze Nacht hindurch, um den Rückstau abzuarbeiten. Am nächsten Tag erreichen wir Punta Arenas bei schönstem Sonnenschein.
Wir machen uns gleich auf in die Zona Franca, die zollfreie Zone der Hafenstadt, um einen neuen Wechselrichter (der 12 V auf 220 V wandelt) zu
kaufen. Unserer ist uns nämlich gut 2 Wochen zuvor auseinander gefallen (Bauteile sind aus der Platine gefallen und haben den Rest abgeschossen).
Wir brauchen aber dringend einen, um all unsere Akkus (und das sind viele....) mit Bordstrom aufladen zu können. Wenn wir jedes Mal auf einen Campingplatz mit Strom müssen, sobald die Akkus
leer sind, ist es mit der Spontanität aus. Wir planen längere Zeit in abgelegenen Nationalparks zu verbringen und was machen wir
dann ohne Strom? Nein, wir müssen wieder einen Wechselrichter haben. Einen ganzen Tag lang rennen wir uns also die Hacken
ab und suchen nach solch einem Ding. Ohne Erfolg. Oder halt: wir hätten einen haben können, aber einen mit 4000 Watt, der
allein schon halb so groß wie unser Kühlschrank ist. Wir benötigen eigentlich nur 150 Watt. Der Mitarbeiter in diesem Laden gibt
uns jedoch einen Tip, wo wir eventuell einen kleineren bekommen können. Leider hat in der Stadt nun schon alles zu, aber wir
beschließen, es morgen nochmals zu versuchen. Um einen kostenlosen Übernachtungsplatz zu finden, fahren wir von Punta
Arenas nach Süden Richtung Fuerte Bulnes und finden einen direkt am Strand. Am nächsten Morgen gehen wir dann wieder auf
Invertersuche. Der empfohlene Laden hat tatsächlich einen kleineren. dieser hat ‘nur’ 700 Watt, eigentlich immernoch zu
leistungsstark. Da er aber relativ günstig und nicht allzu groß ist, beschließen wir, ihn zu nehmen. Nun denken wir, daß wir bei
ihm zahlen und gehen. Aber weit gefehlt! Der Berater verschwindet mit dem Gerät und taucht nicht mehr wieder auf. Fragend
schauen wir uns um und entdecken einen anderen Tresen, von dem eine Frau winkt. Ah, hier können wir also bezahlen. Gesagt-
getan. Aber wo ist unser Gerät? Da müssen wir nochmals quer durch den Raum gehen. Der Mann an der ‘Warenausgabe’ checkt
den Kassenbeleg, macht einen Stempel darauf und händigt uns das Gerät aus. Etwas verwirrt über so viel Bürokratie gehen wir
aus dem kleinen Geschäft, waren wir doch die einzigen Kunden in dieser Zeit. Das nennt man Effektivität: ein Kunde und 5 Leute
sind beschäftigt. Den Rest des Tages verbringen wir damit, unseren Februarbericht hochzuladen. In der Zona Franca gibt es
nämlich kostenloses WIFI, doch ist das zeitweise so langsam, daß wir den ganzen Nachmittag dazu benötigen. Nebenher gibt’s
noch eine leckere Pizza (das erste Mal, daß wir in Südamerika essen gehen).
Zur Übernachtung fahren wir wieder Richtung Fuerto Bulnes, dieses Mal jedoch noch ein ganzes Stück weiter südlich auf absolut
schrecklicher Holperpiste. Als wir eine Landspitze erreichen, finden wir ein ideales Plätzchen direkt am Meer, bei dem uns viele
Gänse Gesellschaft leisten. Ein toller Sonnenuntergang ist inklusive.
Heute wollen wir Punta Arenas verlassen und uns auf den Weg nach Puerto Natales und später dann dem Nationalpark Torres del
Paine zu begeben. Auf diesen Nationalpark freuen wir uns besonders, weil wir schon viele gute Bilder davon gesehen haben und
gehört haben, daß die Guanacos dort nicht so scheu sein sollen. Wir sind gespannt....
Das Wetter in Puerto Natales ist mehr als bescheiden und wir können nicht einmal die Berge sehen, so tief hängen die Wolken.
Als wir dann jedoch kurz vor dem Lago Sarmiento ankommen, öffnen sich die Wolken ein bißchen und lassen ein paar
Sonnenstrahlen durch. Dann sehen wir auch unsere erste wirklich große Guanacoherde. Daß sich direkt hinter der Herde das
Massiv der Torres erheben, ist leider dank der dicken Wolken nur zu erahnen. Wir merken hier sofort, daß die Guanacos wirklich
lockerer im Umgang mit Menschen sind. Wir können uns, ohne Panik auszulösen, ganz gut nähern und unsere ersten Weitwinkelbilder von Guanacos machen. Beim Eintrittspreis von 15000 CLP (ca. 20 EUR) pro Nase schlucken wir mal wieder. Aber wenigstens darf man so lange im Park
bleiben, wie man will. Wir machen erst einmal Sightseeing und kundschaften die besten Foto/Filmplätze aus. Schließlich
erreichen wir den wunderschönen Lago Pehoe, der sich direkt vor den Cuernos del Paine und dem Paine Grande befindet. Man
hat also fast das gesamte Massiv vor Augen. Wirklich beeindruckend. Es gibt da nur ein Problem: die Berge sind nicht oft zu
sehen, was wir in den nächsten Tagen zu spüren bekommen. Selbst wenn überall drumherum blauer Himmel ist, die Berge sind
trotzdem immer etwas in den Wolken (zumindest der Paine Grande). Nur ganz früh morgens haben wir für ein paar Minuten
schönes Licht und einmal am Abend. Auch hier bläst der Wind sehr sehr kräftig. Manchmal bis zu 90 km/h. Man hat also wirklich
Probleme sich auf den Füßen zu halten! Einmal bläst uns eine Böe sogar Kieselsteine von der Schotterpiste auf die
Windschutzscheibe, die uns lauter kleine Steinschläge auf der Windschutzscheibe beschert. Nach 3 Nächten am Lage Pehoe und dem Versuch die Berge ordentlich abzulichten, besuchen wir die Gegend um den Lago
Grey, in dem sich einige Eisberge befinden. Der Wind ist wieder sehr stark und das Wetter sehr wechselhaft. Nach einigem Warten zeigen sich die Cuernos dann aber doch noch. Während unserer Fahrten durch die Berglandschaft sehen wir immer wieder viele Guanacos, auch aus der Nähe. Ab und zu sind
auch Andenkondore, die nach Thermik suchend an den Berghängen entlanggleiten, zu sehen. Obwohl es im Park das dichteste
Pumavorkommen der Welt geben soll, sehen wir leider keinen. Es wäre aber auch sehr viel Glück gewesen, diese scheuen Katzen zu Gesicht zu bekommen.
Nach 5 Tagen verlassen wir den Nationalpark über Porteria Laguna Amarga wieder und fahren in den östlichen Teil des Parks, in
Richtung Laguna Azul. Dort finden wir eine tolle Übernachtungsstelle mit Blick direkt auf die Torres del Paine. Die
Wettervorhersage für die nächsten 3 Tage ist leider schlecht. Wir beschließen jedoch, trotzdem zu warten, denn die Torres sind
es uns wert. Gott sei Dank hat uns ein deutsches Ehepaar, das wir am Vortag getroffen haben, eine Tüte voller Bücher
geschenkt. So bin zumindest ich beschäftigt, denn ich bin eine richtige Leseratte. Es regnet zwei Tage und am Morgen des
dritten Tages sieht es wirklich gut aus. Wir gehen in Stellung und hoffen, daß die erste Sonnenstrahlen einen Weg durch die
heute nicht so dichten Wolken finden. Und tatsächlich: wir erleben den schönsten Sonnennaufgang aller Zeiten. Noch nie haben
wir so intensiv rot leuchtende Felsen gesehen. Es ist ein richtiges Erglühen. Es ist wirklich unglaublich, vor allem, wenn man bedenkt, daß die Berge bei normalen Licht einfach nur grau aussehen.
Zufrieden kehren wir dem Nationalpark Torres del Paine den Rücken. Bei der Abfahrt und auch der Rückfahrt noch Cerro Castillo
sehen wir immer wieder große Guanacoherden und auch noch einen Graufuchs. In Cerro Castillo gilt es dann wieder die Grenze
nach Argentinien zu überqueren. Anscheinend ist auf chilenischer Seite nicht viel los, denn wir müssen klingeln, damit ein
Beamter kommt um uns abzufertigen. Am Argentinischen Zoll ist zwar jemand da, doch ist die gesammelte Mannschaft beim
Fernsehschauen. Der Film muß ziemlich spannend sein, denn der Zollbeamte fertigt uns während einer Werbepause im
Handumdrehen ab. Frohen Mutes ziehen wir wieder dahin, nun wieder durch öde patagonische Steppe. Am nächsten Tag erreichen wir dann das schmucke Städtchen El Calafate. Man merkt sofort,
daß sie dort voll auf Touristen eingestellt sind, denn es gibt sogar ein Internetcafé mit richtig schnellem Zugang. Man kann sogar skypen! Wir sind begeistert und ich rufe mal wieder
zuhause bei meinen Eltern an. Nachdem wir die Vorräte mal wieder aufgestockt haben, machen wir uns auf den Weg zu El Calafates bekanntester Sehenswürdigkeit: dem Perito
Moreno Gletscher im Los Glaciares Nationalpark. Da wir zuvor erfahren haben, daß das Ticket nur für einen Tag gilt, suchen wir uns einen Übernachtungsplatz in der Nähe des Eingangs. Am
nächsten Morgen stehen wir in aller Herrgottsfrühe auf der Matte, den wir wollen den Gletscher bei Sonnenaufgang fotografieren. Doch leider wird daraus nichts, denn der Park öffnet erst um
8.00 Uhr seine Pforten. Hilflos schauen wir von draußen zu, wie die Sonne aufgeht und ein herrliches Licht verbreitet, während wir warten. Als es dann ans Bezahlen geht, staunen wir
mal wieder nicht schlecht, als wir die Preise sehen: für uns Ausländer kostet es mal wieder dreimal soviel wie für Argentinier, und fast zehnmal soviel wie Einwohner der hiesigen Provinz.
15 EUR pro Nase für ein Tagesticket ist schon sehr sehr viel. Als ich darauf hinweise, daß es wirklich teuer sei, werde ich nur ausgelacht. Frank und Andrea, die wir hier wieder treffen,
erzählen uns, daß sie nach einem Halbtagesticket gefragt haben, weil sie erst am Nachmittag angekommen sind. Der Typ an der Kasse hat jedoch nur gelacht. Das sind ja wirklich fröhliche
Menschen an der Kasse!
Punkt 8.00 Uhr machen wir uns dann auf den Weg zum Gletscher. Leider kommen wir für das beste Licht zu spät, aber das
Wetter ist ansonsten super. Blauer Himmel und Sonnenschein - was will man mehr. Den ganzen Tag über versuchen wir
Eisabbrüche zu filmen um somit das ‘Kalben ‘ des Gletschers zu dokumentieren. Immerhin ist der Perito Moreno einer der
wenigen Gletscher, die noch wachsen - noch. Leider sind Bauarbeiten in vollem Gange, so daß nicht alle Wege begangen
werden können und unschöne Baumaschinen im Bild auftauchen, wenn man nicht aufpasst. Auch an Tonaufnahmen beim Kalben
ist während des Tages nicht zu denken, es sei denn man wollte die Geräusche einer Flex aufnehmen. Gegen Abend wird es dann
aber ruhiger und wir haben den Gletscher zusammen mit Andrea und Frank fast für uns alleine. Wir warten bis zum Sonnenuntergang und bekommen noch schöne rosa Wolken mit aufs Bild. Am nächsten Tag wollen wir El Calafate verlassen, um weiter nach Norden nach El Chalten mit seinem bekannten Fitzroy Massiv
zu fahren. Als wir jedoch losfahren wollen, funktioniert plötzlich das Licht am Landy nicht mehr. Steffen sucht das Problem
Stunde um Stunde, mit Messgerät, Überbrückungskabel und Landrover Elektronikhandbuch bewaffnet. Schließlich stellt er fest,
daß an der Hauptsicherung vor dem Kabelbaum noch Spannung anliegt, nach dem Kabelbaum aber nicht mehr. Es ist zwar
etwas verwirrend, daß ein Kabel Braun/blau in den Kabelbaum reingeht, und drei mit der gleichen Farbcodierung herauskommen,
aber laut Handbuch muß das anscheinend so sein. Also ist im Kabelbaum eine Verzweigung, die keinen Kontakt mehr hat. Um
das Problem schnell zu lösen, legt Steffen eine Überbrückung um den Kabelbaum. Somit bekommt Landy nun nach knapp 10
Jahren seinen ersten Bypass. Wir sind gottfroh, daß wir das Problem selbst lösen können und keinen KFZ-Doktor benötigen und
verlassen El Calafate erst am späten Nachmittag mit Blick auf El Chalten. Was uns dort am Fuße des Fitzroy erwartet, erfahrt Ihr jedoch erst im April-Bericht. |