Jetzt hängen wir schon 2 Tage in Paihia herum und es ist keine Wetterbesserung in Sicht. Wir werfen alle Pläne, die wir für diese Gegend
hatten über Bord und entschließen uns, wieder in den Trounson Forest Park an die Westküste zurückzukehren. Dort ist ja dieser kleine, ruhige
Campingplatz mit Stromanschluß, so daß wir am Rechner unsere Bilder bearbeiten und gleichzeitig den Kauriwald erkunden können. Vor der
Abfahrt machen wir aber noch einen kurzen Zwischenstopp bei den Haruru Falls. Das Wasser fließt dort in einer schönen Hufeisenform über die Felsen.
Bei Regen führt uns unsere Fahrt von der Ostküste über Dargaville an die Westküste. Die ca. 250 km sind schnell überwunden und wir nisten uns
wieder im bereits vertrauten Trounson Forest Park ein. Wir bleiben hier 3
Tage in denen wir Bilder bearbeiten, Reiseberichte schreiben und den Wald erkunden. Tagsüber fotografieren wir den traumhaft
schönen Wald und nachts gehen wir auf Kiwisuche. Und tatsächlich: wir sehen hier nochmals einen aus nächster Nähe. Seht
selbst... Die Tiere sind wirklich absolut urig. Viel größer als man sie sich eigentlich vorstellt mit einem riesigen Schnabel,
winzigen Augen, sehr langen Tasthaaren im Kopfbereich und einem absolut witzigen Gang. Es ist etwas ganz besonderes
einen Kiwi zu sehen, weil diese ungewöhnlichen Tiere vom Aussterben bedroht sind. Dies liegt weniger daran, daß sie nicht
fliegen können, sondern daß die Küken von allerlei eingeführten Räubern wie Mardern, Katzen, Possums und auch Hunden
gefressen werden. Da nur ein (dafür aber riesiges) Ei pro Jahr gelegt wird, ist der Verlust eines einzigen Kükens schon ein
großer Verlust. Außerdem wurden nahezu alle Kauriewälder gefällt, so daß nur noch wenig Lebensraum für das Nationalsymbol
Neuseelands übrig ist. Das DOC (Department of Conservation) versucht den Bestand zu stabilisieren, indem es die Küken den
Nestern entnimmt und sie in einer geschützten Umgebung aufzieht. Wenn sie dann groß genug sind um sich gegen Feinde wehren zu können, werden sie wieder ausgesetzt.
Wir packen unsere Sachen und machen uns auf den Weg wieder an die Westküste zum Manghawai Head. In Northland sind Ost- und Westküste
nur ca. 80 bis 150 km außeinander, weshalb die Distanz in kurzer Zeit überwunden ist. Die Wanderung zu den Manghawai Cliffs geben wir wegen
zu schlechten Wetters und sowohl abendlicher als auch morgendlicher Flut (der Weg entlang des Strandes ist nur bei Ebbe zu bewältigen) auf.
Die merkwürdige Wolkenstimmung über dem Meer läßt sich aber trotzdem passabel ablichten. Am nächsten Morgen geht’s weiter, diesmal wieder an die Westküste zum
Muriwai Regional Park. Muriwai befindet sich nur ca. 30 km nördlich von Auckland und ist ein absolutes Surfer’s Paradise. Dieser wunderschöne
Küstenabschnitt hat neben schönen Landschaften auch ausgezeichnete Surfwellen zu bieten, weshalb es hier von Surfern nur so wimmelt. Das Wetter bessert sich und wir haben ab Mittag wieder
wunderschönes Sommerwetter.
Eine weitere Attraktion in Muriwai ist die sehr gut zugängliche Australtölpel-Kolonie. Die Tölpel nisten auf einigen ins Meer
hinausragende Felsspitzen und sind aus nächster Nähe zu beobachten. Leider sind wir jetzt etwas zu spät, da die meisten
Jungvögel schon kurz vor dem Ausfliegen sind und einige auch schon die Kolonie verlassen haben. Im Februar, zur
Hauptbrutzeit, sollen sich noch viel mehr Vögel hier befinden und sie sollen auch noch näher bei den Aussichtsplattformen
sitzen. Wir wollen uns trotzdem nicht beklagen: für gute Flugbilder war die Jahreszeit noch o.k. Es gefällt uns hier so gut, daß wir weitere 3 Tage auf dem günstigen und sehr schönen Campingplatz des Auckland City
Councils verbringen. Am 2. Abend kommen wir abends vom fotografieren zum Campingplatz zurück und müssen mit ansehen,
wie etwa 300m vom Camp entfernt ein Haus und die darumstehenden Bäume brennen. Zum Glück für alle benachbarten Häuser
und auch für unser Camp ist der Wind für diese Gegend sehr schwach. Somit kann das Feuer nicht schnell um sich greifen und
die Neuseeländische Feuerwehr hat den Brand dann auch schnell unter Kontrolle. Geschockt und mit viel Gedanken an die
Leute, die dort wohnten und von einem Tag auf den anderen kein Zuhause mehr haben gehen wir zu Bett.
Dann jedoch naht der Tag der Wahrheit: wir müssen nach Auckland und mit dem Reinigen des Landys beginnen, denn wir
müssen ihn am 11.04. in Auckland bei der Verschiffungsfirma NZ Van Lines/Apex abgeben. Wir mieten uns für 5 Tage auf dem
teuersten Campingplatz, den wir in der ganzen Neuseelandzeit je besucht haben, ein. Es bleibt uns leider nichts anderes übrig,
da dies der einzige Platz in der Nähe der Verschiffungsfirma und gleichzeitig des Flughafens ist. Der Top10 in Manukau ist aber
für unsere Zwecke gut geeigent. Wir haben Strom für unseren Staubsauger und Wasser soviel wir wollen. Wir bauen unser Zelt,
das wir erstmal nur als Lagerraum für unser Gepäck benutzen, auf und machen uns auf dem Weg zu einem Clean Park um den
Landy erstmal gründlich dampfzustrahlen. Nachdem wir ein Vermögen in den Automaten reingeschmissen haben, ist der Landy
zwar sauberer, aber der Unterboden sieht nach wie vor verheerend aus. Wir erinnern uns wieder an die Schilder an manchen
Straßenbaustellen mit der Aufschrift “lime splashes, wash your car today”. Also, alles nochmal, diesmal mit Dampfstrahler
UND Bürste. Das Ergebnis ist etwas besser aber wir erkennen schnell, daß das so keinen Zweck hat und wir diese total
festgebackene Erde nicht ganz wegbekommen. Was nun tun? Alles überpinseln. Also besorgen wir uns Unterbodenspray und
sprühen den ganzen Unterboden mit schwarzer Farbe ein. Jetzt sieht das Ganze doch ganz gut aus! Natürlich muß der Landy
auch noch ausgeräumt werden: alle Lebensmittel werden weggeschmissen, denn wir dürfen nichts mit nach Australien bringen.
Die Dinge, die wir in den nächsten Wochen noch benötigen räumen wir aus und saugen den ganzen Innenraum (für diese
Zwecke haben wir uns extra einen kleinen aber sehr effektiven Staubsauger gekauft). Es dürfen keine Insektenreste oder gar
Erde oder Samen irgendwelcher Art auffindbar sein - alles ein ziemlich hoffnungsloses Unterfangen aber wir geben trotzdem unser Bestes.
Am 09.04. treffen wir uns auf eben diesem Campingplatz mit Steffen’s Namensvetter -Steffen-, der auch bei Festo arbeitet und
4,5 Wochen durch Neuseeland getourt ist. Er verbringt heute seinen letzten Abend in Neuseeland mit uns und wir palavern über
Gott und die Welt bei von ihm gestiftetem Bier und Chips. Die letzten beiden Nächte verbringen wir im Zelt, denn wir wollen den
Landy auf keinen Fall mehr einsauen. Im Großen und Ganzen lief die ganze Reinigungsaktion gut: das Wetter war die ganze
Zeit über super und wir hatten alles was wir brauchten direkt in der Nähe. Wenn da nur das Wörtchen wenn nicht wäre: am
Morgen des 11.04. -wir wollen gerade abfahren- entdeckt Steffen eine Riesenmenge kleiner, weißer Maden in unserer
Windenstoßstange! Welch eine Katastrophe - wie kommen die denn da hin? Total in Panik, wissen wir zuerst nicht, was wir
machen sollen: dann der rettende Gedanke- nochmal dampfstrahlen! Beim Dampfstrahlen entdeckt Steffen dann die Ursache
der Madeninvasion! Ein halb verwester Vogel (Art ist leider nicht mehr zu bestimmen) liegt hinter dem Kühlergrill auf den Kabeln
der Winde! Jetzt wissen wir wenigstens woher die ekelhaften Dinger gekommen sind. Nun ist die Beseitigung der Ursache
dieses ganzen Dramas kein Problem mehr - der Dampfstrahler macht das schon. Gott sei Dank hat Steffen die Maden gesehen
und wir konnten vor allem die Ursache beseitigen. Hätten wir nur die Maden weggestrahlt, hätten die Ausis beim Import des
Autos bestimmt wieder Unmengen gefunden (die vermehren sich ja wie der Teufel) und wir hätten ewig auf das Auto warten
können -Australien hat nämlich die strengsten Quarantänebestimmungen der Welt. So können wir nun wenigstens hoffen, daß
alles relativ gimpflich abgehen wird. Diese Schrecksekunden überstanden, machen wir uns auf den Weg zu NZ VanLines. Wir
erledigen den Papierkram, bezahlen und geben den Landy ab. Alles läuft problemlos ab. Er soll in den nächsten Tagen in den
Container gepackt werden und dann auf den Weg nach Melbourne gebracht werden. Wir verabschieden uns schweren Herzens
von unserem rollenden Heim und machen uns mit dem Mietwagen, den wir zuvor abgeholt haben, erstmal auf den Weg zu einem Supermarkt.
Wir haben jetzt noch knapp eine Woche in Neuseeland ohne Landy und machen uns auf den Weg Richtung Waihi und
Tauranga. Dort und weiter südlich bis Te Puke befindet sich nämlich das Hauptanbaugebiet der Kiwifrucht. Im Mai ist Erntezeit
und wir hoffen noch einige Bilder dieser - auch in Europa wohlbekannten Frucht - in ihrer ‘natürlichen’ Umgebung machen zu
können. Bei Katikati finden wir einige Plantagen, die gute Fotobedingungen bieten. Kiwis wachsen so ähnlich wie Trauben an
einem schlingpflanzenähnlichen Stock. Diese Stöcken werden - wiederum wie Wein - in Reihen gepflanzt und an Gestellen oder
Drähten hochgebunden. Zum Schutz der Früchte vor Wind und Wetter sind die Plantagen meist von hochgewachsenen Hecken umgeben. In Neuseeland werden auch viele Avocados angebaut. Die Bäume werden in Plantagen gepflanzt und auch hier ist jetzt
Erntezeit der grünen Früchte. Wir haben unsere Bilder gemacht und fahren zurück über Waihi nach Te Aroha auf einen Campingplatz den wir bereits kennen
und der kostenloses Wireless Internet bietet (er gehört übrigens einer Schweizerin). Wir rufen unsere E-Mails ab und erledigen
noch Dies und Das, als sich das Wetter plötzlich verschlechtert. Es beginnt ziemlich stark zu stürmen und auch zu regnen:
tolle Aussichten für’s Zelten. Aber wie dem auch sei, wir überstehen die Nacht und entschließen uns am Morgen, noch einen
Tag zu bleiben, da das Wetter zu schlecht ist um irgend etwas zu unternehmen. Das Wetter verschlechtert sich den Tag über
immer mehr: der Regen und vor allem auch der Sturm nimmt zu. Nachts wird der Sturm noch stärker und wir haben Glück, daß
wir sehr windgeschützt stehen- sonst würde das Zelt bestimmt nicht mehr stehen. Kurz nach Sonnenaufgang entschließen wir
uns dann, das Zelt abzubauen um größeren Schaden an Personen und Ausrüstung zu vermeiden. Noch naß wird das Zelt
eingepackt und wir fahren wieder nach Auckland, um uns dort auf einem Platz südlich von Auckland in einer Hütte einzumieten.
Hier bleiben wir die restlichen 2 Nächte, da wir das Zelt und alle anderen Ausrüstungsgegenstände gründlich putzen und
trocknen müssen, damit die Ausis kein Theater bei der Einreise machen. Den Rest der Zeit hängen wir rum oder lesen, denn das Regenwetter hält weiterhin an.Am 16.04. machen wir uns - immernoch bei Regen - auf den Weg zum Flughafen und verabschieden uns von Neuseeland. Bye bye NZ! |